
„Lügen tun die trotzdem in den Nachrichten.“ Immer wieder fällt dieser Satz, wenn es um die Berichterstattung von ARD, ZDF und den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern geht. Würde der Vorwurf stimmen, wäre das einer der größten Medienskandale der deutschen Nachkriegsgeschichte. Tausende Journalisten müssten sich über Jahre hinweg abgesprochen haben, Redaktionen würden gezielt Falschinformationen verbreiten und Korrekturen wären nichts weiter als ein Schauspiel. Genau das behaupten viele Kommentatoren. Nur stellt sich sofort die entscheidende Frage: Wo sind die belastbaren Belege?
Der Lieblingsbeweis
Die Antwort fällt deutlich unspektakulärer aus als die Vorwürfe. Einen Nachweis dafür, dass ARD und ZDF systematisch und vorsätzlich lügen, gibt es bislang nicht. Einzelne Fehler dagegen sehr wohl. Genau an dieser Stelle verschwimmen in vielen Debatten allerdings zwei Begriffe, die nicht dasselbe bedeuten. Eine Lüge setzt Vorsatz voraus. Ein Fehler braucht nur Menschen.
Als Beleg wird besonders häufig der Fall des sanktionierten russischen Oligarchen Alischer Usmanow angeführt. Tatsächlich musste die Tagesschau im Jahr 2025 Aussagen über seine Vermögensverhältnisse von ihrer Website entfernen. Der Fall ist real. Die Schlussfolgerung vieler Kritiker dagegen nicht.
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Eine fehlerhafte Recherche, die öffentlich korrigiert wird, ist zunächst einmal genau das: eine fehlerhafte Recherche. Wer daraus automatisch eine vorsätzliche Lüge ableitet, muss den Vorsatz auch belegen können. Genau dieser Beleg fehlt jedoch. Der Fall zeigt deshalb vor allem, dass journalistische Fehler passieren können. Er beweist nicht, dass dahinter eine organisierte Lügenstrategie steckt.
ARD, ZDF und Co.: Wenn Fehler teuer werden
Noch gravierender war ein Patzer des ZDF. Im Februar 2026 beschäftigte ein Beitrag des heute-journals sogar den Bundestag. In einer Meldung über das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE wurde ein KI-generiertes Video verwendet, ohne dies kenntlich zu machen. Fast zeitgleich musste auch die Tagesschau einen fehlerhaften Bericht zum CDU-Parteitag korrigieren. Die ZDF-Nachrichtenchefin entschuldigte sich öffentlich, personelle Konsequenzen folgten.
Für die Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks war das ein erheblicher Schaden. Gleichzeitig zeigt gerade dieser Vorgang den Unterschied zwischen einem journalistischen Fehler und einer systematischen Täuschung. Eine Redaktion erkennt man nicht daran, dass sie niemals irrt. Entscheidend ist, wie sie mit diesen Irrtümern umgeht. Öffentliche Entschuldigungen, Korrekturen und personelle Konsequenzen passen nur schwer zu der Vorstellung einer perfekt organisierten Propagandamaschine.
Wie ein Mythos entsteht
Manchmal braucht es nicht einmal einen Fehler. Ein gutes Beispiel ist die Behauptung, ein ZDF-Kamerateam habe sich bei den Bauernprotesten gezielt mit AfD-Fahnen unter die Demonstranten gemischt. Als Beleg kursiert bis heute ein YouTube-Video. Tatsächlich zeigt es lediglich ein Kamerateam, das einem Demonstranten in deutlichem Abstand folgt. Weder sind AfD-Fahnen zu erkennen, noch gibt es Hinweise auf eine Inszenierung.
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Trotzdem verbreitete sich die Geschichte tausendfach. Das ist eine bemerkenswerte Eigenschaft sozialer Netzwerke: Einer stellt eine Behauptung auf, Hunderte teilen sie weiter und irgendwann erinnern sich Tausende daran, als hätten sie das angebliche Ereignis selbst gesehen. Je häufiger eine Geschichte erzählt wird, desto weniger scheinen viele Menschen noch nach Belegen zu fragen.
Lügen ARD und ZDF? Das Urteil
Bleibt also vom Vorwurf des systematischen Lügens etwas übrig? Nach dem derzeitigen Stand der bekannten Fälle lautet die Antwort: nein. Es gibt journalistische Fehler, teilweise gravierende. Sie beschädigen Vertrauen und müssen kritisch aufgearbeitet werden. Zwischen einem dokumentierten Fehler und einer organisierten Lügenmaschine liegt jedoch ein erheblicher Unterschied. Wer beides gleichsetzt, macht aus berechtigter Medienkritik eine Behauptung, die sich bislang nicht belegen lässt.
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