
Erst „Light“, dann „Zero“: Coca-Cola hat es vorgemacht. Ein nahezu identischer Geschmack, allerdings ohne Zucker, dafür mit Ersatzstoffen. Mittlerweile sind etliche Hersteller auf den Zug aufgesprungen und es gibt zig Getränke im Supermarkt und auch andere Produkte, auf deren Verpackungen der Begriff „Zero“ prangt. Doch schaut man genauer hin, enthalten die Lebensmittel oft mehr Zucker als gedacht. Wie kann das sein? Ich zeige dir, worauf du beim Kauf achten musst – und was „Zero“ wirklich bedeutet.
Der Zero-Mythos
Wer an Zero denkt, denkt an zuckerfrei oder kalorienfrei, an Genuss ohne Reue und ganz vielleicht noch an die verschiedenen Zuckerersatzstoffe und ihre gegebenenfalls abführende Wirkung. Aber Zucker? Nein, da ist doch keiner drin. Falsch gedacht!
Denn auch Zero-Produkte können geringe Mengen Zucker enthalten. Wenn ein Lebensmittel etwa von Natur aus Zucker enthält – wie bei Früchten. Zwar wird dann kein Zucker zusätzlich beigegeben, dennoch steht am Ende unter den Nährwertangaben nicht 0,0 Gramm auf der Verpackung. Ich habe mir einmal angeschaut, welche Zero-Produkte mehr Zucker enthalten, als man auf den ersten Blick erwarten würde.
Diese Produkte enthalten mehr Zucker, als du denkst
Da wäre zum Beispiel die Zero Buttermilch von Milram. Die gibt es unter anderem bei Rewe, Edeka oder Aldi zu kaufen. Doch wer sich von dem Zero-Versprechen verführen lässt, erlebt beim Blick auf die Nährwerte sein zuckriges Wunder. Das Produkt enthält nämlich ganze vier Gramm Zucker auf 100 Gramm. Hier haben wir den natürlichen Zucker des Heidelbeersafts und der Buttermilch. Und beides macht immerhin noch vier Prozent des Gesamtprodukts aus.
Genauso verhält es sich bei der Zero Quark-Joghurt-Creme Mango von Exquisa. Weitere Beispiele wären der Zero Ketchup von Heinz mit 4,4 Prozent Zuckeranteil dank Tomaten und Zitronensaft oder auch der Zentis Fruchtaufstrich Triple Zero Erdbeere mit sogar 7,9 Prozent Zucker (wegen der Erdbeeren, dem Trauben- und Zitronensaft). Zwar steht auf den Verpackungen zusätzlich der Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ oder „enthält von Natur aus Zucker“, doch der „Zero“-Zusatz verwirrt dennoch. Wenn er nicht zwingend für zuckerfrei steht, wofür denn dann?
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Was bedeutet eigentlich „ZERO“?
Wie kann es sein, dass zwar Zero draufsteht, aber nicht Zero drin ist? Ich habe dazu die Verbraucherzentrale und das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW (MLV) gefragt. Und siehe da: „Der Begriff ‚Zero‘ ist rechtlich nicht genau definiert“, wie die Verbraucherzentrale erklärt. „Aus unserer Sicht verstehen Verbraucher:innen ‚Zero‘ als Synonym für ‚-frei‘, also zum Beispiel ‚zuckerfrei‘ oder ‚kalorienfrei’“ – oder auch fettfrei. Vor allem bei Erfrischungsgetränken. „Diese Erwartung hat sich durch die langjährige, weitgehend einheitliche Verwendung der Bezeichnung etabliert.“
Als „Zero“ gekennzeichnete Produkte sollten, wie es für „zuckerfrei“ oder „kalorienfrei“ vorgeschrieben ist, maximal 0,5 Gramm Zucker oder vier Kalorien (auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter) enthalten, so die Verbraucherzentrale. Da der Begriff mittlerweile auch in anderen Lebensmittelkategorien angewandt wird, weichen die Bedeutungen jedoch stark voneinander ab. „Im Bereich Soßen, Milchprodukte oder Marmelade verwenden Hersteller ‚Zero‘ häufig lediglich um ein Produkt ‚ohne Zuckerzusatz‘ zu kennzeichnen, auch wenn das Produkt weiterhin relevante Mengen an Zucker und Kalorien enthält.“ Das sieht man an den oben genannten Beispielen. Wie das MLV schildert, ist das rechtlich vollkommen in Ordnung. Solange die Zero-Produkte zusätzlich die Hinweise „ohne Zuckerzusatz“ oder „enthält von Natur aus Zucker“ aufweisen (solange dies auch stimmt). „Zero“ darf also auch Zucker enthalten.
Die Verbraucherzentrale kritisiert dies jedoch als „missverständlich“. Eine derartige Verwendung des Begriffs könne „zu falschen Erwartungen führen, denn Verbraucher:innen könnten bei solchen Lebensmitteln ein ‚zucker- und kalorienfreies‘ Produkt erwarten.“ Daher plädiert die Verbraucherzentrale für eine „einheitliche und transparente Kennzeichnung“. In den hier genannten Beispielen wären die Bezeichnungen „ohne Zuckerzusatz“ und „enthält von Natur aus Zucker“ deutlich verständlicher und würden die Produkteigenschaften klar beschreiben.
Fazit
Zero-Produkte müssen nicht unbedingt gar keinen Zucker enthalten. Damit kann auch gemeint sein, dass kein zusätzlicher Zucker verwendet wurde und von Natur aus welcher enthalten sein kann. Das ist vor allem bei Produkten mit Früchten, Säften oder auch Milchprodukten der Fall. Solange die Hinweise „ohne Zuckerzusatz“ oder „enthält von Natur aus Zucker“ auf der Verpackung stehen, ist auch die Bezeichnung als „Zero“-Produkt erlaubt. „Zero“ kann sich aber auch auf die Kalorien, den Fettgehalt oder etwas ganz anderes beziehen. Was lernen wir daraus? Wir dürfen uns von dem Wort nicht blenden lassen und sollten uns immer genau die Inhaltsstoffe, Nährwerte und zusätzlichen Hinweise auf der Verpackung durchlesen. Dann gibt es am Ende auch keine unangenehme Überraschung.

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