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Viel Platz, hoher Komfort – aber nicht ohne Schwächen

Mit dem Kia EV5 bringt der koreanische Autohersteller ein elektrisches SUV auf den Markt, das die Lücke zwischen EV3 (Test) und EV9 (Test) schließen soll. Im Test zeigt sich schnell: Der EV5, auf die Probe gestellt in der Earth-Variante mit Frontantrieb, ist ein durchdachtes Familien-SUV mit modernem Design, viel Platz und überzeugendem Komfort. Gleichzeitig gibt es aber ein paar Punkte, bei denen die Konkurrenz aktuell die Nase vorn hat.

Design: Markanter Auftritt mit EV9-DNA

Optisch orientiert sich der 4,61 Meter lange Kia EV5 stark am mit über fünf Metern Länge deutlich größeren EV9 – und das ist definitiv kein Nachteil. Die kantige Front, die klaren Linien und das futuristische Lichtdesign verleihen dem SUV einen eigenständigen Charakter, der sich angenehm vom inzwischen oft austauschbaren Elektroauto-Einerlei abhebt. Jedoch trifft die markante Designsprache von Kia sicherlich nicht den Geschmack aller Autofahrer.

Bullig: Der Kia EV5 ist kein dezent auftretendes E-Auto.

Der EV5 positioniert sich mitten im heiß umkämpften Segment der elektrischen Mittelklasse-SUVs. Konkurrenten wie das Tesla Model Y (Test), der Volkswagen ID.4 (Test) oder auch ein Škoda Enyaq (Test) bekommen hier ernsthafte Konkurrenz. Während der Fahrt muss man sich an eine sehr breite Front gewöhnen, die fast schon das Gefühl aufkommen lässt, in einem Jeep zu sitzen. Am Heck vermittelt ein Dachkantenspoiler mit integriertem Bremslicht zumindest einen Hauch von Sportlichkeit.

Innenraum: Praktisch und angenehm durchdacht

Eine der größten Stärken des Kia EV5 ist ohne Zweifel das Platzangebot. Bereits beim Einsteigen fällt auf, wie luftig das Raumgefühl ausfällt. Dazu trägt auch eine nicht durchgehende Mittelkonsole bei, die für viel Beinfreiheit auf den vorderen Plätzen sorgt. Aber auch auf der Rückbank profitieren Passagiere in dem Fünfsitzer von sehr großzügiger Kopf- und Beinfreiheit. Dazu tragen auch 2,75 Meter Radstand bei.

Cockpit des Kia EV5
Streng genommen setzt sich die Konsole im Cockpit des Kia EV5 aus drei Displays zusammen: Info-Display hinter dem Lenkrad, Klima-Konsole und Center-Touchscreen.

Der Kofferraum fasst 566 Liter und wächst bei umgelegten Sitzen auf bis zu 1.650 Liter an. Auch ein flacher Unterboden mit einem tiefen Fach ist nutzbar. Eine hohe Laderampe gibt es erfreulicherweise nicht. Hinzu kommt ein zusätzlicher Frunk unter der hydraulisch öffnenden Frontklappe – praktisch für Ladekabel oder kleinere Gepäckstücke.

Wer einen Hund transportieren möchte: Eine Box (90 x 58 x 61 Zentimeter) für den Transport eines Vierbeiners der Größe eines Golden Retrievers oder Labradors passt quer in den Kofferraum, ohne einen der Rücksitze umlegen zu müssen.

Kia EV5 mit Hundebox im Kofferraum.
Hundebox im Kofferraum? Für den Kia EV5 kein Problem.

Im Alltag gefällt außerdem die clevere Innenraumgestaltung. Kia setzt weiterhin auf physische Tasten für wichtige Funktionen – ein Detail, das im aktuellen Trend zu überladenen Touchscreens fast schon erfrischend wirkt. Es gibt im Kia EV5 unter dem 12,3 Zoll großen Center-Display aber auch Touchtasten, mit denen du unter anderem das Navigationssystem oder die Medienübersicht aktivieren oder zum Startbildschirm zurückkehren kannst. Ergänzend dazu steht mittig unter dem Touchscreen eine Walze zur Regulierung der Audio-Lautstärke zur Verfügung.

Die Materialqualität bewegt sich insgesamt auf hohem Niveau, auch wenn an einigen Stellen härterer Kunststoff zum Einsatz kommt. Premium ist anders, störend wirkt es im Alltag aber kaum.

Antrieb und Fahrverhalten: Komfort steht klar im Vordergrund

Gegenwärtig wird der Kia EV5 in Deutschland in fünf Varianten angeboten. Drei davon fahren mit Frontantrieb (160 kW / 218 PS), zwei mit Allradantrieb (195 kW / 265 PS). Grundsätzlich ist eine 81,4 kWh große Lithium-Ionen-Batterie verbaut, mit der das Auto variantenabhängig nach WLTP-Norm zwischen 491 und 530 Kilometer weit kommt.

Etwas enttäuschend: Mit Frontantrieb ist bereits bei 165 km/h die Spitzengeschwindigkeit erreicht; maximal 169 km/h sind vom Digitaltacho ablesbar. Für entspanntes Reisen natürlich vollkommen ausreichend, doch die 180 km/h-Höchstgeschwindigkeit der Allradvariante passen deutlich besser zu diesem E-Auto.

Wer brutale Beschleunigungswerte erwartet, ist bei diesem Elektroauto auch an der falschen Adresse. Es ist klar zu spüren: Der EV5 setzt weniger auf Sportlichkeit und deutlich stärker auf entspanntes, souveränes Reisen. Entsprechend sprintet das FWD-Modell in 8,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, das Allradmodell meistert diesen Spurt rund eine Sekunde schneller.

Gute Fahreigenschaften

Während der Fahrt überzeugt hauptsächlich die angenehme Federung. Gerade auf schlechteren Straßen wirkt das Fahrwerk komfortabel abgestimmt und filtert Unebenheiten sauber weg. Die Lenkung arbeitet leichtgängig, vermittelt allerdings etwas wenig Rückmeldung. Wer dynamisches Fahren sucht, dürfte sich etwas mehr Direktheit wünschen.

Kia EV5 Heckansicht
Viel Masse ist auch am Heck des Kia EV5 unübersehbar.

Die Gänge werden im Kia EV5 übrigens über einen Gangwahlhebel hinter dem Lenkrad eingelegt. Hier ist auch der Start-Stopp-Knopf zu finden. Die Sitze sind auch auf längeren Fahrten bequem, könnten für meinen Geschmack aber etwas mehr Seitenhalt bieten. Angenehm ist die hohe Sitzposition, die einen guten Überblick auf das Straßengeschehen vor dem Fahrzeug gestattet.

Stört dich der vorgeschriebene Warnton, der immer dann ertönt, wenn du die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreitest? Langes Drücken der Lautstärketaste schaltet diese akustische Signalisierung bis zum nächsten Motorstart ab. Das Multifunktionslenkrad ist nach einer kurzen Eingewöhnungszeit intuitiv zu bedienen und lässt über einen Extra-Schalter die Auswahl des gewünschten Fahrmodus (Eco / Normal / Sport, My Drive oder Snow) zu. Schaltwippen hinter dem Lenkrad dienen zur Einstellung der Stärke der Rekuperation. Auch komfortables 1-Pedal-Fahren ist möglich.

Wie weiter oben bereits erwähnt: Rund 500 Kilometer WLTP-Reichweite stehen in den technischen Daten des Kia EV5. Die von mir getestete Earth-Variante mit Frontantrieb soll kombiniert bis zu 520 Kilometer schaffen. Wir haben unseren Testwagen auf der Autobahn bei sommerlichen Temperaturen rund 380 Kilometer weit bewegen können, ehe die Fahrt zur nächsten Ladesäule notwendig wurde. Sicher auch wegen des recht hohen Gewichts von rund 2,1 Tonnen keine Topwerte, aber für Pendler und Familien in den meisten Fällen ausreichend.

Innerstädtisch, auf der Landstraße und auf der Autobahn haben wir die folgenden durchschnittlichen Verbrauchswerte ermittelt:

  • Stadtverkehr: 15,3 kWh / 100 km
  • Landstraße: 18,0 kWh / 100 km
  • Autobahn: 23,1 kWh / 100 km

Gerade im urbanen Umfeld profitiert das Elektro-SUV spürbar von Rekuperation und häufigen Geschwindigkeitswechseln, was sich positiv auf die Effizienz auswirkt.

Laden: Hier hätte Kia mutiger sein dürfen

Negativ fällt auf, dass der EV5 nicht auf fortschrittliche 800-Volt-Technik setzt, die beispielsweise beim Kia EV6 (Test) zum Einsatz kommt. Stattdessen kommt ein 400-Volt-System zum Einsatz und das sorgt dafür, dass Gleichstrom an der Schnellladesäule nur mit einer Ladeleistung von bis zu 150 kW fließt; im Test waren es in der Spitze 153 kW. Gerade weil Kia mit EV6 und EV9 gezeigt hat, dass man technisch mehr kann, wirkt die maximale Ladeleistung dennoch etwas (zu) konservativ.

Für eine schnelle Aufladung von 10 auf 80 Prozent vergehen deswegen im Kia EV5 laut Hersteller 30 Minuten. Eine realistische Zeitangabe, denn wir standen im Test bei 20 Grad Celsius Außentemperatur von 7 auf 80 Prozent für 31 Minuten an einer HPC-Ladesäule.

  • Ladeleistung ab 70 % SoC: knapp 90 kW
  • Ladeleistung ab 80 % SoC: knapp 60 kW

Zum Vergleich: Der Xpeng G9 (Test) schafft eine Aufladung seiner im Vergleich noch etwas großen Batterie unter optimalen Bedingungen dank 800-Volt-System in nur zwölf Minuten.

Wer an einer Normalladesäule oder zu Hause an der Wallbox laden möchte, bekommt serienmäßig Zugang zu einem 11-kW-On-Board-Charger. Gegen Aufpreis ist auch ein 22-kW-Charger erhältlich. Im Alltag kann der sich hinsichtlich des Zeitfaktors schnell auszahlen. Doch er kostet bei Kia auch 990 Euro Aufpreis. Gut: Der Ladeanschluss ist vorne rechts verbaut, was es erlaubt, mit der Front vor einer Ladesäule zu parken und umständliches Rangieren überflüssig macht.

Kia EV5 an einer Ladesäule in der Heckansicht.
Kia EV5 an einer Ladesäule in der Heckansicht.

Ausstattung: Sehr umfangreich schon in Earth-Version

Im Gegensatz zum Basismodell “Air” bringt die “Earth”-Ausstattung ein schon fast komplettes Paket mit. Dazu gehören unter anderem:

  • zahlreiche Assistenzsysteme
  • Wärmepumpe
  • 220-Volt-Steckdose im Kofferraum
  • elektrische Heckklappe
  • Privacy-Verglasung der hinteren Seitenfenster und der Heckscheibe
  • V2L-Unterstützung

Noch umfangreicher ist nur die GT-Line ausgestattet, die unter anderem Alu-Sportpedale, schwarze Außenspiegel, eine Ambientebeleuchtung, ein hochwertigeres Soundsystem sowie eine 3-Zonen-Klimaautomatik bereithält.

Kia bleibt damit seinem Ruf treu, bereits serienmäßig viel Ausstattung anzubieten, behält ein Head-up-Display aber der teuersten Ausstattungsvariante GT-Line vor und bietet es selbst dort nur gegen Aufpreis an. Wiederum erfreulich: Die bekannte 7-Jahre-Garantie von Kia gilt auch für den EV5.

Frunk im Kia EV5
Frunk im Kia EV5

Infotainment: Gut, aber nicht Klassenprimus

Das Infotainmentsystem funktioniert grundsätzlich sauber und reagiert schnell genug. Dennoch merkt man, dass manche Wettbewerber inzwischen modernere Systeme anbieten. Die Menüführung wirkt stellenweise etwas verschachtelt und nicht immer intuitiv. Gut: Das integrierte Navigationssystem berücksichtigt auch Ladestopps, die Sprachsteuerung versteht viele gängige Befehle, scheiterte auf Kommando im Test aber daran, einen Radiosenderwechsel vorzunehmen.

Wer sein Smartphone mit dem Auto koppeln oder das mobile Endgerät einfach nur aufladen möchte, kann vorne und hinten jeweils auf zwei USB-C-Anschlüsse vertrauen. Die Anschlüsse für die hinteren Plätze sind etwas versteckt an den Innenseiten der Vordersitze zu finden. Ergänzend dazu stehen kabellos auch Android Auto und Apple CarPlay zur Verfügung.

Was kostet der Kia EV5?

Und der Preis? Der startet für das Basismodell vor staatlicher E-Auto-Förderung und anderen Rabatten aktuell bei 45.990 Euro. Unser Testwagen der Ausstattungslinie Earth startet bei 48.990 Euro, die GT-Linie bei 51.990 Euro. Mit Allradantrieb liegt der Basispreis bei 52.990 Euro (Ausstattungslinie Earth) bzw. 55.990 Euro (GT-Line).

Gefallen hat uns im Test der aktive Totwinkelassistent mit Monitoranzeige, der aber modellabhängig mindestens 1.390 Euro Aufpreis kostet. Ein Panoramaglasdach mit elektrischem Glasschiebedach und elektrischer Sonnenblende lässt sich Kia mit 1.200 Euro extra bezahlen. Und eine abnehmbare Anhängerkupplung steht mit 980 Euro in der Preisliste. Mit Frontantrieb sind 1.200 Kilogramm gebremste Anhängelast zulässig, mit Allradantrieb 1.800 Kilogramm.

Wichtig auch: Neun Lackierungen stehen zur Wahl, nur Frostblau gibt es ohne Aufpreis. Sonst sind 790 bis 1.690 Euro extra zu bezahlen. Zweifarbige Lackierungen kosten bis zu 1.490 Euro zusätzlich – sind aber nicht mit dem Panoramaglasdach kombinierbar.

Lieber leasen? Kein Problem! Über unseren Partner LeasingMarkt.de steht der Kia EV5 gegenwärtig zu einer monatlichen Rate ab 369 Euro zur Verfügung. Bei Kia selbst werden im Leasing mindestens 419 Euro pro Monat fällig.

Kia EV5 seitliche Frontansicht.
Typisch SUV – aber in kantiger Form: der Kia EV5.

Der Kia EV5 macht im Test vieles richtig. Letztlich liefert Kia ein stimmiges Elektro-SUV für Familien und Langstreckenfahrer, die Wert auf Komfort, Platz und solide Technik legen. Wer maximale Ladegeschwindigkeit oder sportliche Fahrleistungen sucht, wird bei anderen Modellen eher fündig. Für die breite Masse dürfte der Kia EV5 aber genau der richtige Mittelweg sein – und damit einer der spannendsten Elektro-Newcomer des Jahres.

Vorteile Kia EV5

  • gutes Raumangebot
  • hoher Fahrkomfort
  • umfangreiche Serienausstattung
  • starke Alltagstauglichkeit
  • lange Garantiezeit

Nachteile Kia EV5

  • nur durchschnittliche Ladeleistung
  • kein 800-Volt-System
  • Infotainment nicht ganz auf Spitzenniveau
  • wenig sportliches Fahrgefühl

Kia EV4 an einem See in Emmen geparkt.

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Kia EV4 Test: Starker Auftritt, klare Kante

Mich hat der Kia EV5 im Test vor allem mit seinem enormen Platzangebot, hohem Komfort und der gelungenen Alltagstauglichkeit überzeugt. Bei Ladeleistung und Fahrdynamik hätte ich mir allerdings etwas mehr erwartet. Unterm Strich ist Kia hier trotzdem ein sehr attraktives Elektro-SUV gelungen.

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