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Warum 50 Mbit/s reichen können

Auf der ANGA COM im Mai kochte eine Debatte hoch, die bis dato keine Rolle spielte: Ist ein Glasfasertarif mit nur 50 Mbit/s notwendig, um DSL-Kunden vom Wechsel aus der Kupferwelt zu Glasfaser zu überzeugen? Die Auffassungen in der Branche sind unterschiedlich – und abhängig davon, welche Interessen der jeweilige Anbieter hat. Interessant ist dabei, dass sich gerade ein Geschäftskundenanbieter im Gespräch mit inside digital für die vermeintlich langsamen 50-Mbit/s-Anschlüsse auch für Privatkunden ausspricht: Frank Rosenberger, CEO von 1&1 Versatel. Er verteidigt 50 Mbit/s auf Glasfaser als Einstieg für DSL-Kunden, die keinen großen Tarifwechsel wollen. Konkret bedeutet das: Der Umstieg soll sich nicht wie ein teures Upgrade anfühlen, sondern wie ein technischer Wechsel auf eine stabilere Leitung.

Das steckt hinter der Debatte

Der Streit um 50 Mbit/s auf Glasfaser wirkt auf den ersten Blick technisch. Viele verbinden Glasfaser mit Gigabitgeschwindigkeit. Also mit viel mehr Tempo als bei klassischen DSL-Anschlüssen. Viel mehr, als die meisten Haushalte heute brauchen. Doch Rosenberger setzt an einem anderen Punkt an. Für ihn entscheidet nicht nur die maximale Geschwindigkeit. Entscheidend sei, ob Kunden den Wechsel überhaupt akzeptieren. „Ein Glasfaseranschluss mit 50 Mbit/s, der diese Geschwindigkeit dauerhaft zuverlässig liefert, bietet einen deutlich höheren Nutzen als ein DSL-Anschluss mit nominell 50 Mbit/s, bei dem in der Praxis oft wesentlich weniger Bandbreite ankommt“, sagt Rosenberger im Gespräch mit inside digital. Bei dem vom Schwesterunternehmen 1&1 angebotenen Privatkundentarif handele es sich um einen Einstiegstarif, „um einen einfachen Zugang zur Glasfasertechnologie zu ermöglichen“. Bei einem Umstieg von DSL zu Glasfaser müssen sonst Millionen Haushalte mehr zahlen, die bisher mit 16 oder 50 Mbit/s auskommen.

Warum 50 Mbit/s nicht das eigentliche Thema sind

50 Mbit/s bleiben zwar 50 Mbit/s. Doch Stabilität zählt ebenfalls. DSL läuft über Kupferleitungen. Je nach Leitungslänge und Zustand kommt oft weniger an als gebucht. Glasfaser überträgt Daten per Lichtsignal. Dadurch kann die gebuchte Leistung im Alltag verlässlicher ankommen.

Rosenberger verschiebt die Debatte. Es geht nicht nur um kleine oder große Tarife. Es geht um Auswahl. Er nennt dafür zwei Bedingungen: „Erstens braucht der Kunde, der zu einem neuen Anschluss wechseln möchte, eine Auswahl unterschiedlicher Angebote.“ Es dürfe also nicht nur ein einheitliches Produkt mit 1 oder 10 Gbit/s geben, sondern eine abgestufte Produktpalette.

Dazu kommt aus seiner Sicht ein zweiter Punkt: Anbieterwahl. Rosenberger sagte weiter: „Zweitens reicht Angebotsvielfalt allein nicht aus; es braucht auch Anbietervielfalt.“ Kunden sollten also nicht nur beim lokalen Versorger oder bei Stadtwerken landen. Sie sollten auch überregionale Anbieter wählen können, die andere Preise und ein breiteres Angebot bieten. Entscheidend sei, ob es an deiner Adresse mehrere Angebote gibt. Erst dann entsteht echte Wahlfreiheit.

Der Wechsel soll sich nicht wie ein Preissprung anfühlen

Besonders deutlich wird Rosenberger beim eigentlichen Wechselmoment. „Wenn ich einem heutigen DSL-Kunden sage: ‚Für Sie bleibt alles wie bisher. Wir bringen Glasfaser in die Wohnung und tauschen den Router aus‘, dann wird der Wechsel kaum ein Thema sein. Denn viele Haushalte brauchen heute noch lange keinen Gigabitanschluss. Sie brauchen eine stabile Leitung, faire Preise und einen überschaubaren Wechsel.“ Der 50-Mbit/s-Tarif wird so zur Brücke für Kunden, die Glasfaser wollen, aber keinen Tarifschock.

Was das mit 1&1 Versatel zu tun hat

1&1 Versatel ist kein klassischer Privatkundenanbieter. Das Unternehmen richtet sich vor allem an Geschäftskunden. Privatkundentarife laufen über das Schwesterunternehmen 1&1. Wichtig ist diese Unterscheidung, weil der 50-Mbit/s-Glasfasertarif nicht direkt von 1&1 Versatel als Endkundenprodukt kommt.

Trotzdem ist Rosenbergers Position relevant. Denn 1&1 Versatel betreibt eigene Netzinfrastruktur. Im Interview stellt Rosenberger klar: „Derzeit ist es tatsächlich so, dass wir ausschließlich Geschäftskunden an unser Netz anschließen.“ Die Mobilfunkstandorte von 1&1 würden über das eigene Netz oder angemietete Dark Fiber angebunden. Selbst ausgebaute Strecken nutze 1&1 Versatel auch für Geschäftskunden.

Auch in der Geschäftskundenwelt ist die Anbietervielfalt laut Rosenberger wichtig: „Viele Unternehmen in Deutschland haben nicht nur einen, sondern mehrere Standorte.“ Sie wollten Telekommunikation und Vernetzung dieser Standorte aus einer Hand beziehen. Dafür brauche es einen Anbieter mit zentralem Ansprechpartner und einheitlichem Qualitätsniveau.

Was Kunden jetzt wissen sollten

Ein 50-Mbit/s-Tarif eignet sich vor allem für Haushalte, die schon heute mit DSL 50 auskommen. Wer viele parallele Streams nutzt, große Dateien hochlädt oder dauerhaft im Homeoffice arbeitet, sollte höhere Tarife prüfen. Doch als Einstieg kann ein kleiner Glasfasertarif die Hürde senken und die Abkehr von DSL beschleunigen. Ohne diese Auswahl bleibt der Umstieg für viele dagegen eine Kostenfrage. 1&1 hat in den vergangenen zwei Jahren mit zahlreichen lokalen und regionalen Anbietern Vereinbarungen über den Zugang zu deren Netzen getroffen. Beispiele dafür sind Deutsche Glasfaser, OXG und Tele Columbus. 1&1 Versatel hat darüber hinaus zahlreiche weitere Vereinbarungen geschlossen, um Firmenkunden und Sendemasten des 1&1-Mobilfunks versorgen zu können.

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