
Zum ersten Mal wirkt Siri wie ein echter Konkurrent zu ChatGPT, Gemini und Claude. In meinem Test konnte Apples neuer Assistent nicht nur einfache Befehle ausführen, sondern auch persönliche Informationen aus Nachrichten, Mail und Kalender einbeziehen. Für eine erste Beta ist der Assistent erstaunlich stark. Die größte Schwäche liegt weniger in den Antworten selbst als in Apples getrennten Datensilos. Der runderneuerte Sprachassistent ist Teil der ersten Vorschau von iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 Golden Gate und zeigt schon jetzt, wie groß Apples Siri-Umbau ausfällt.
Neues Design, bekannte Bedienung
Während andere Hersteller zwangsläufig entweder ihre eigenen Süppchen in Form von Apps für iOS brauen müssen oder – im Falle von Android – einen Wechsel von Google Assistant zu Gemini vollziehen mussten, bleibt bei Siri vieles beim Alten. Du musst also beispielsweise nicht darauf achten, wie du den Helfer aktivierst. Siri reagiert weiterhin auf die altbekannten Sprachkommandos. Auch das Drücken der Seitentaste macht genau das, was du bereits seit Jahren kennst.
In der aktuellen Entwickler-Beta musst du dich vor der Nutzung des neuen, jetzt als Siri AI bezeichneten Assistenten bei einer Warteliste anmelden. Apple begrenzt den Zugriff möglicherweise, um die Server nicht zu überlasten. Trotz Freigabe kam es in meinem Test immer wieder vor, dass der Assistent schlicht nicht mehr antwortete. Für die erste Beta mit etwas breiterem Publikum ist das ärgerlich, aber nicht überraschend.
Im Rahmen der Vorstellung auf der WWDC 2026 war vor Ort in der Firmenzentrale in Cupertino zu hören, dass die Maschinen äußerst beschäftigt sind. Viele Nutzer, die iOS 27 installiert und sich bei der Warteliste registriert haben, müssen selbst nach mehreren Tagen immer noch auf die Freigabe warten. Diese Situation wird sich hoffentlich bis September lockern, wenn die Software bei normalen Nutzern ankommt. Ob Apple das neue Siri dann weiterhin als Beta bezeichnet, bleibt abzuwarten.
Der Assistent mit KI-Fähigkeiten kommt zum zweiten Mal in kurzer Zeit mit einem neuen Design. Der schimmernde Rand am iPhone ist wieder Geschichte. Stattdessen erscheint Siri nun in der Dynamic Island und wartet dort auf deine Befehle. Diese kannst du wie gehabt per Sprache oder Text abschicken. Wenn du im Home-Screen nach unten wischst, aktivierst du nun ebenfalls den Assistenten. Er ersetzt jetzt die traditionelle Suchfunktion.
Siri AI ist da: Apple kombiniert alte und neue Fähigkeiten
Bei meinen Tests mit alltäglichen Befehlen, wie dem Starten eines Timers oder der Aktivierung von Apple Music oder einem Podcast, waren keine Unterschiede zum alten Siri bemerkbar. Diese simplen Aktionen sind weiterhin vorhanden. Auf Wunsch und je nach verwendetem iPhone-Modell kannst du jetzt jedoch die Stimme genauer anpassen. Diese Anpassbarkeit ist in der ersten Beta jedoch noch nicht nutzbar.
Den echten Unterschied zum alten Siri und dem neuen Assistenten mit KI bemerkst du erst, wenn deine Anfragen etwas komplexer werden. So kannst du beispielsweise nach vielen Dingen fragen, die bislang eine Google-Suche erfordert hätten. Apples Assistent funktioniert genauso, wie du es vielleicht schon von ChatGPT, Claude oder Gemini kennst.
Je nach Assistent variiert natürlich die konkrete Antwort. Einige Helfer verpacken die Reaktionen auf deinen Prompt in persönlicher, förmlicher oder lockerer Form. In vielen Fällen kannst du den Stil auch selbst festlegen. Das bedeutet auch, dass die Länge und damit die Details mitunter stark variieren können. Hinzu kommt, dass immer mehr Assistenten deine persönlichen Erfahrungen und Wünsche in ihren Antworten widerspiegeln. Zwischen zwei Nutzern können sich die Reaktionen also trotz exakt derselben Frage drastisch unterscheiden.
Siri integriert deine persönlichen Daten
Der echte Clou und Vorteil gegenüber Drittanbietern wie ChatGPT, Claude oder Gemini ist jedoch Apples Möglichkeit, den eigenen Assistenten tief ins iPhone zu integrieren. Diese tiefe Integration gibt Siri Zugriff auf deine Daten und den persönlichen Kontext.
Konkret bedeutet das etwa, dass Siri die Daten aus Apples Mail, Kalender oder Nachrichten-App auswerten kann. Du kannst also relativ offene Fragen stellen. In einem Fall konnte ich also fragen: „I remember faintly that there was an event on Friday with Danielle can you check where and what that was“. (Apples neuer KI-Assistent spricht aktuell nur Englisch.) Die Antwort basierte in diesem Fall auf einer Unterhaltung in Apple Messages:

Du kannst diese Unterhaltung dann aber noch weiter führen und Siri versteht den früheren Kontext. So kannst du zum Beispiel nach dem Weg fragen oder weitere Details zum Ziel, in diesem Fall dem Weingut, erfragen und bekommst die Antwort direkt von Siri.
Hier stellt sich schnell die Frage, ob normale iPhone-Nutzer die Konkurrenz in Form von ChatGPT oder Gemini in Zukunft überhaupt noch benötigen. In der EU stellt sich aufgrund des DMA diese Frage allerdings vorerst nicht, denn dort wird Siri AI zumindest mit iOS 27 wohl noch nicht verfügbar sein.
Das Problem mit den Silos
Eine Hürde, die Apple und das neue Siri überwinden müssen, sind die Informations-Silos. So waren dem Assistenten zum Beispiel die Inhalte meiner – zugegeben wenigen – WhatsApp-Unterhaltungen nicht bekannt. Und selbst wenn es sich um Daten aus Apples Apps handelt, kann es beim Wechsel zwischen mehreren Geräten zu fehlenden Informationen kommen.
Die Chats werden zwar in der Siri-App zwischen iPhone, iPad und Mac synchronisiert. Die zugrundeliegenden Informationen bleiben aber auf das jeweilige Gerät beschränkt. Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigte sich bei meiner Suche nach dem nächsten Flug.
Ich habe auf meinem Mac mit dem neuen Siri genau danach gefragt. Ich weiß, dass diese Daten in einer Nachricht in Apples Mail-App vorhanden sind. Der Assistent konnte mir jedoch keine Antwort geben. Wenn ich denselben Chat jedoch auf meinem iPhone öffne und einfach nur darum bitte, dass er es noch einmal versucht, kommt sofort der korrekte Treffer. Auch die exakte Quelle, die entsprechende Nachricht aus der Mail-App, wird angezeigt und direkt verlinkt.
Das Problem war in diesem Fall, dass selbst die Suche nach dem Buchungscode aus der Nachricht in der Mail-App auf dem Mac keine Treffer liefert. Die Mac-App konnte die Nachricht schlichtweg nicht finden, obwohl sie existiert. Der Index, der diese Informationen beinhalten sollte, ist also vermutlich entweder noch unvollständig oder defekt. Für den normalen Nutzer ist das ein nerviges Problem, das nur schwer nachvollziehbar sein dürfte.
Jedes Apple-Gerät führt einen separaten Index. Eine Synchronisation gibt es nicht. Du musst dir also bewusst sein, dass du nicht auf jedem Gerät nach allen Informationen suchen kannst.
Außerdem dauert es aktuell sehr lange, bis ein Gerät die Erstellung des Index abgeschlossen hat. Nach aktuell fünf Tagen sind mein iPhone und iPad weiterhin aktiv damit beschäftigt, alle Daten zu erfassen. Auf Apples Entwicklerkonferenz war außerdem zu hören, dass Apple bereits mit iOS 26.6 damit beginnen könnte, diesen Index vorab aufzubauen. Das Ziel ist es dabei, die Wartezeiten im kommenden Herbst zu reduzieren, wenn du iOS 27 installierst und das neue Siri nutzen willst.
Es gibt aber noch weitere Probleme mit diesen Silos. Die Apps von Drittanbietern müssen ihre Daten nämlich explizit mit Apples neuem System teilen. Bei vielen Entwicklern stellt sich jedoch die Frage, ob und in welchem Umfang sie solche Informationen überhaupt für Siri freigeben wollen. Der iPhone-Hersteller und auch die Entwickler von Dritt-Apps haben also bis zur Vorstellung in den kommenden Monaten noch viel zu tun, um Siri nützlicher zu machen.
Fazit
Schon heute, in der ersten Beta, und selbst ohne den persönlichen Kontext stellt der neue Assistent einen wichtigen Sprung nach vorne dar. Die oft wenig hilfreichen Antworten des alten Assistenten, die häufig nur in einer Web-Suche endeten, gehören damit endlich der Vergangenheit an. Gleichzeitig könnten viele iPhone-Nutzer im Alltag künftig seltener zu Assistenten von Google, Anthropic oder OpenAI greifen müssen. Ob und wann Nutzer in der EU all diese Features nutzen können, steht jedoch noch in den Sternen.
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